Sonderausstellung
Im Schloss werden regelmäßig temporäre Ausstellungen zu unterschiedlichen Themen gezeigt, die das Wissen und Wirken des romantischen Dichters und verschiedene Aspekte seine Alltagswelt um 1800 präsentieren. Die Ausstellungen orientieren sich an den neuesten Forschungsergebnissen der Forschungsstätte für Frühromantik.
Aktuelle Ausstellung:
„Das geheime Leben der Wälder“
Peter Grün
04. Mai bis 25. Juli 2024
Die Internationale Novalis-Gesellschaft hat zu ihrem Jahrestreffen am 4. und 5. Mai im Novalis-Geburtshaus Schloss Oberwiederstedt ein Kolloquium „Wald - eine romantisch-realistische Ressource“ abgehalten. Teil dieses Kolloquiums war die Eröffnung einer Foto-Kunstausstellung von Peter Grün (Frankfurt am Main) mit dem Titel „Das geheime Leben der Wälder“ (Novalis, Heinrich von Ofterdingen) im 1. Stock des Schlosses.
Peter Grün über seine Arbeit: „Von der Malerei und Bildhauerei herkommend, habe ich das mir eigene Ausdrucksmittel in der Fotografie gefunden. Grundelemente der Malerei und Bildhauerei fließen jedoch in die künstlerischen Arbeiten mit ein. Meine Hauptintension, meine Fragen, die sich mir stellen, versuche ich mit meinen Fotografien zu beschreiben, einzufangen, darzustellen: Was hat es auf sich mit der Welt, hinter der sich andere Welten verbergen? Sowie beim Porträt die Frage: Nach dem Gesicht hinter dem Gesicht.“
Die Sonderausstellung, welche sowohl Fenster- als auch Wandbilder umfasst, besteht aus 11 Bildern von Peter Grün und drei Gedichten von Ernestine Grün.
In der Kunst der Romantik treten Frauen in die Präsenz. Wenn die Malerin Caroline Bardua-eine Portraitistin Caspar David Friedrichs und selbst Motiv seiner Malerei-aus dem provinziellen Ballenstedt Johanna Schopenhauer als Malerin vor einer Staffelei abgebildet, dann ist das selbstreflexiv wie selbst referenziell mit Blick auf die Frau in der Kunst zu lesen-in ihrer Rolle als Motiv wie als Künstlerin. Ein Pinselstrich führt vom abgelegenen Ballenstedt in das Zentrum der Klassik nach Weimar: an den Ort, wo Johanna Schopenhauer eine kleine Teegesellschaft mit literarischem Salon abhielt und als Vertraute Goethes dessen in der Damenwelt geächtete Gattin Christiane Vulpius nur kurz nach dem Einmarsch napoleonischer Truppen in die gehobene Gesellschaft einführte. An ihren Sohn Arthur Schopenhauer schrieb Johanna am 24. Oktober 1806:"Ich denke, wenn Goethe ihr seinen Namen gibt, können wir ihr wohl eine Tasse Tee geben." (Johanna Schopenhauer, Ihr glücklichen Augen, Jugenderinnerungen, Tagebücher, Briefe hg.v. Rolf Weber, Berlin 1986, S. 343f.). Auch in diesem Kreis verschränkten sich Malerei, Schreiben und Alltagskunst. Eine Wahlverwandtschaft ergab sich zwischen Johannas Tocher Adele, begabt im Scherenschnitt, als Schriftstellerin jedoch weniger erfolgreich als die Mutter, und Goethes schillernder Schwiegertochter Ottilie von Goethe, der Herausgeberin der Weimarer Gesellschaftszeitschrift "Chaos".
Caroline Bardua lernte ihr Fach u.a. bei Gerhard von Kügelgen. Als eine der ersten bürgerlichen Frauen schuf sie sich eine Existenz als freie Künstlerin. Georg Friedrich Kersting, ein Malerkollege, lernte Kügelgen in Dresden kennen, und zeichnete mutmaßlich Caspar David Friedrichs Aufbruch zur Wanderung in den Harz 1811. Eine Wegmarke dürfte Ballenstedt unweit der Teufelsmauer gewesen sein: ein Muster für schroffe Fels- und Eisblöcke. Im 19. Jahrhundert ging aus diesen Formen der Landschaftsmalerei eine reiche Tradition hervor.
Zehn Jahre vor Novalis wurde im wenige Kilometer von Oberwiederstedt entfernten Hettstedt Carl Christian Agthe geboren. Als begabter Komponist und Organist wirkte der "Mozart des Harzvorlandes" in Ballenstedt und starb dort bereits 1797: im gleichen Jahr wie Novalis`erste Verlobte Sophie von Kühn.
Vorherige Ausstellungen:
„Das Höchste ist das Verständlichste“ (Friedrich von Hardenberg)
mit Werken von Andrea Ackermann, Frank Eißner, Bettina Haller, Tatjana Skalko-Karlovski und Susanne Theumer
12. Dezember 2021 bis 6. Februar 2022
Im Rahmen des Projektes "GLÜCK AUF! WOHIN? Mansfeld-Südharz findet sich neu" arbeiteten fünf professionelle Künstlerinnen und Künstler eine Woche lang unter freiem Himmel. Inspiriert wurden sie von den Werken und Wirkungsstätten des Dichters Friedrich von Hardenberg in Mansfeld-Südharz. Auch zwei Laienkünstlerinnen aus den Kunstklassen der Kreismusikschule Mansfeld-Südharz beteiligten sich. Die Arbeiten der Künsterinnen- und Künstlergruppen werden in Form einer Sonderausstellung gewürdigt.
Hier können Sie sich die Ausstellungseröffnung auf YouTube ansehen.
„die blaue Blume sehn’ ich mich zu erblicken“
Wolfram Hänsch
Radierzyklus zum Romantikerkreis
02. Mai bis 30. September 2021
Klein, zart und zierlich, einem Seeröschen gleich, schmückt ein Exemplar der Blauen Blume die Mappe des Künstlers Wolfram Hänsch. Er hat sich, wie der junge Heinrich in Novalis’ „Heinrich von Ofterdingen“, auf die Suche begeben:
Er spürt den ProtagonistInnen, Orten und Wirkungskreisen der Romantik nach. Vergangene und vergängliche Geistes-Epoche ist die Romantik keineswegs. Sie ist persönliches Erleben (in) der Gegenwart. Kein schwärmerischer Kitsch, sondern eine Erfahrung der Gegensätze und Widerstände: „nachtbegeistert und sinnbegabt“. Sie teilt sich mit in der Einsamkeit der Natur, beim Anblick überkommener Bauten und durch die Auseinandersetzung mit Literatur: in illustrer Gesellschaft und im Stillen Kämmerlein – sie entsteht in der Einbildungskraft, im künstlerischen Prozess, in der Bearbeitung des Materials.
Wolfram Hänsch wandelt in ganz ähnlicher Weise zwischen den Welten wie Novalis. Zwischen der Bibliothek eines Klipphausener Bäckermeisters und der Dresdner Hochschule für Bildende Künste. Zunächst war er Student von Hans Theo Richter in den frühen 60er Jahren, bis er freiwillig das Feld räumte, um seine Kunst keiner politischen Ideologie zu unterwerfen. Als Dozent (1993) und außerplanmäßiger Professor (2006) kehrte er dorthin zurück. Heute lebt und arbeitet er als freischaffender Künstler in Meißen. Er hat unter anderem im Webermuseum Dresden, im Kollwitz-Haus Moritzburg, im Romantikerhaus in Jena und in der Albrechtsburg Meißen ausgestellt.
Mit dieser Ausstellung kehren seine Radierungen am Geburtsort der Blauen Blume ein: Ins Schloss Oberwiederstedt, in dem Friedrich von Hardenberg zur Welt kam.
Die Figur des Kindes bei Novalis
02.Mai 2019 bis 30. Dezember 2020
Um 1800 bewirkte die europäische Aufklärung eine bewusstere Wahrnehmung des Kindes als gesellschaftliches Wesen. Auch die romantischen Visionen vom Recht des Kindes auf Anerkennung der eigenen Persönlichkeit gewannen im Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert, dem Beginn der Moderne, an Einfluss auf das Geistesleben, die Literatur und die Kunst der Zeit.
Die Ausstellung hebt eine neue Facette des im Jahr 2000 gezeigten Themas "Kind und Kindheit im 18. Jahrhundert" hervor. Inhaltliches Fundament der Exposition ist Novalis' Text Die Lehrlinge zu Sais.
Mit der Figur des Kindes beginnt die Figur der Menschheit. So wird das Thema Kind und Kindheit erstmals aus einem kunsthistorischen und literarischen Kontext heraus dargestellt, der den Blick für die frühromantische Kindheitsutopie öffnet und das in diesem Zusammenhang stehende Entdecken, Beobachten und selbst Erfahren als Grundlagen des Lebens sichtbar und erkennbar macht. Als Besonderheit überrascht dabei die interaktive Kulisse.
Gezeigt werden Objekte der Kunst- und Kulturgeschichte aus der privaten Sammlung Stiftung Ohm (Hamburg). Herausragende Gemälde und Plastiken zeigen den Wandel der Kindesdarstellungen in den bildenden Künsten von der Antike bis in das 19. Jahrhundert. Kinderkleidung und Spielzeuge lassen die Alltagswelt eines Kindes um 1800 anschaulich entstehen.
Zwei Publikationen aus der Reihe Wissensreisen sind zum Thema in überarbeiteter Fassung neu erschienen:
„Kind und Kindheit im 18. Jahrhundert“ sowie Novalis’ Märchen von „Hyazinth und Rosenblütchen“.










