Karte aus dem Jahr 1902
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2. Die Geschichte von Dorf und Garten

1634 kamen das Kloster und das zu ihm gehörende Gut durch Erbschaft an Hans Christoph von Hardenberg, dessen Familie das Gut bis 1945 besaß. Das Gutshaus (heutiges Schloss Oberwiederstedt) wurde 1585 auf den Resten eines mittelalterlichen Klostergebäudes errichtet, das Ostportal trägt die Jahreszahl 1687. Schon zu dieser Zeit wird es einen großflächigen Nutzgarten um die große Hofanlage gegeben haben. 1763 übernahm Heinrich Ulrich Erasmus von Hardenberg das väterliche Gut. Sophie von Hardenberg, Tochter von Novalis’ Bruder Georg Anton von Hardenberg, beschreibt den Hochzeitstag von Heinrich Ulrich Erasmus Freiherr von Hardenberg (1738-1814) und Auguste Bernhardine, geb. von Bölzig (1749-1818), den Eltern von Novalis: „… am 1. Juli 1770 ward die Hochzeit in Wiederstedt gefeiert, am Nachmittag dieses Tages ließ er in dem Garten daselbst eine Allee von jungen Linden pflanzen, die heute seinen Urenkeln Schatten geben.“ Vermutlich wurde der Gutsgarten erst nach 1763 angelegt. Erste Abbildungen um 1790 zeigen den mit einer Mauer mit aufgesetztem Zaun eingefriedeten Garten mit den zu dieser Zeit modernen landschaftlich geschwungenen Wegen und einem Pavillon. Die Anlage einer geraden Allee wirkt hier wie ein Relikt der Barockzeit, sie bildet parallel zum Gutshaus das Rückgrat des Gartens. Die Alleeachse richtet sich auf den Jäger-Berg, ein landschaftliches Element, das in den Garten mit einbezogen wird. Kurz nach 1800 wurden am Eingang des Gartens zwei Platanen und zwei Kastanien gepflanzt, die bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts bestanden. Heute ist noch je ein Baum vorhanden.
Gartenpläne sind bisher nicht bekannt. Doch sind Kartenwerke des 18. und 19. Jahrhunderts vorhanden. Erstaunlicherweise ist der Garten auf ihnen nicht eingezeichnet. Auf der entsprechenden Karte des Schmettauschen Kartenwerkes, das zwischen 1767 und 1787 entstand, ist um das Gutshaus ein Nutzgarten eingetragen. Der in den Garten integrierte künstliche Teich ist bereits eingezeichnet - eventuell schon ein Hinweis auf die Gartenanlage! Die Preußischen Landesaufnahmen beginnend mit dem Urmesstischblatt von 1852 zeigen keine Gartenanlage und auch keinen Teich, sondern Nutzgärten. Erst 1902 ist der Garten in Oberwiederstedt dargestellt, der auch auf Fotos aus den 20er Jahren noch erkennbar ist.
Nach den überlieferten Dokumenten, Fotos und Plänen stellt sich folgendes Bild vom Garten dar: Östlich des Gutshauses, gegenüber dem Portal, befand sich der Eingang des Parks. Von hier erstreckte sich eine ovale Freifläche. Ein Pavillon stand um 1800 am nördlichen Scheitelpunkt, gegenüber, am südlichen Scheitelpunkt, begann die Allee und führte in gerader Linie auf eine Brücke über den Mühlengraben zu. Östlich und westlich der Allee lagen landschaftlich gestaltete Flächen und den Garten begrenzende Wege, die auf Höhe der Brücke mit der Allee zusammenliefen. Von der Brücke ging ein Weg zu dem westlich gelegenen künstlichen Teich mit Insel, um den herum ein durch Gehölze landschaftlich gestalteter Rundweg führte. Nachgewiesen sind hier eine Blutbuche, ein Nussbaum und Trauerweiden. Luftbilder zeigen, dass der Garten sich seit den 30er Jahren veränderte, einfachere Strukturen aufwies, aber insgesamt noch bis 1950 fast vollständig erhalten blieb. Viele Alleebäume gingen in den 50er Jahren aus noch ungeklärten Gründen verloren. Die Wege verlagerten sich, und der Garten verwilderte. Nach 1990 wurde eine große Wiesenfläche im Garten durch die Gemeinde wieder begehbar gemacht, eine alte Betonbühne entfernt, die Wege befestigt und ein neuer Pavillon errichtet. So blieb der Gutsgarten in seiner Ausdehnung erhalten und wurde weiterhin gepflegt, obwohl ein gartenkünstlerisches oder gartendenkmalpflegerisches Konzept noch fehlte.

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Schloss Oberwiederstedt

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